Bilder Bücher Bytes – Ein interdisziplinäres Symposium zur Medialität im Alltag

Zehn Jahre ist es nun her, dass der 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde unter dem Banner „Bilder – Bücher – Bytes“ stattfand. Das Thema der Medialität im Alltag hat heute unter soziologischen, medienwissenschaftlichen und anthroposophischen Aspekten noch an Gewicht gewonnen und ist aktueller denn je. Der Mainzer Kongress bezog sich auf die Rolle der Medien in unserem täglichen Leben. Das war vor der Zeit von Smartphones. Medien sind ein Instrument zum Informationsaustausch. Das durch sie etablierte Gedankengut trägt aktiv zur Bildung von Moralvorstellungen und Meinungen einer Gesellschaft bei. Dies war auch schon vor digitalen und Printmedien der Fall. Nicht selten wurden Entwicklungen und Ereignisse aus den höheren Gesellschaftsschichten in Theaterstücken aufgegriffen und verbreitet.

Die Nutzungsdauer und Verfügbarkeit der Medien hat sich allerdings enorm verändert. Wohingegen bereits im Jahr des Kongresses, Massenmedien zu einem großen Teil unseren Alltag bestimmten, ist die allgegenwärtige Präsenz von Medien heute fundamental an der Meinungsbildung der Gesellschaft beteiligt. Wie wir unsere Welt und Gesellschaft wahrnehmen, wird von Medien beeinflusst, gesteuert und geformt. Zeiten, in denen Medien passiv konsumiert wurden, gehören der Vergangenheit an. Heute kann jeder Mediennutzer ein Teil der Maschinerie zur Verbreitung von Informationen werden. Das eröffnet unvorstellbare Möglichkeiten, wie die Demokratisierung der Medien. Allerdings birgt dieser Trend auch Gefahren in sich.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Schon 2007 waren Massenmedien in westlichen Gesellschaften fest in die tägliche Routine der meisten Menschen integriert. In dieser Zeit wurde der Begriff der Mediengesellschaft geprägt. Er beschreibt eine Gesellschaft, die permanent mit Medien umgeben und von ihnen beeinflusst ist. Medien sind eng verstrickt und eingeflochten in alle Abläufe des Lebens. Nicht selten fing der Tag mit dem Klingeln des Radioweckers an. Medien wie Zeitungen, Fernsehen, Podcasts oder das Internet begleiten einen Großteil der Bevölkerung durch den kompletten Tag. Ganz zu schweigen von der allgegenwärtigen, nicht mehr bewusst wahrgenommenen, Berieselung durch Werbung. Immer und überall.

Heute verlässt das Smartphone kaum noch die Hand seiner Nutzer. Ein Gerät, auf dem der Austausch von Informationen und die Kommunikation zur Außenwelt immer verfügbar und abrufbar sind. Banales wie der Speiseplan der Nutzer, aber auch Fundamentales, wie politische Entwicklungen und globale Ereignisse, werden in das Informationsnetz integriert. Die Gewichtung und der Verbreitungsgrad werden von den Nutzern und Gatekeepern (Google, Facebook, Amazon etc.) im digitalen Raum gelenkt. Der traditionelle, seriöse und fundierte Journalismus tritt hierbei immer mehr in den Hintergrund.

Der Weg in die Informationstechnologiegesellschaft

Der allgegenwärtige Einfluss von Medien auf das Leben sollte auf dem Kongress interdisziplinär und international diskutiert werden. Wir leben in einer Gesellschaft, die permanent von Informations- und Kommunikationstechnologie umgeben ist. Medien sind weit über ein bloßes Unterhaltungs- und Informationsbeschaffungsinstrument hinaus gewachsen. Sie sind fest integriert in alle Bereiche unseres Lebens. Dass diese Entwicklung einen Einfluss auf die Gesellschaft als solches hat, ist unumstritten.

Des weiteren war die Entwicklung von der reinen Mediengesellschaft zur Informationstechnologiegesellschaft so schnell, dass die Forschung kaum mithalten konnte. Zum einen steigt die Gefahr der Verbreitung von Fehlinformationen. Zum anderen sind Informationen heute so einfach und universell verfügbar wie noch nie. Das Wissen der Welt ist dank des Internets abrufbar – und dank Suchmaschinen katalogisiert.

Omnipräsenz von Massenmedien

Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Medien ist explosionsartig angestiegen. Der Kongress Bilder – Bücher – Bytes war auf die Mediengesellschaft ausgerichtet und bot ein breites Spektrum an Vorträgen und Diskussionen. Die Beiträge stehen online zur Verfügung.

Zusätzlich wurden 28 Kurz-Interviews der Referenten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben Blogs, Suchmaschinen, Podcasts und traditionellen Medien wurden soziale Netzwerke wie Studi-VZ und Myspace thematisiert. Augenmerk lag immer auf der Frage des Einflusses der Medien auf das tägliche Leben.

Der Bilder – Bücher – Bytes Kongress wurde live von Bloggern begleitet und dokumentiert. Eine CD mit dem Selbigen Titel wurde nach den Symposien von Teilnehmer verfasst und dem Buch beigelegt.